Blaualgen sind keine Algen, sondern Cyanobakterien: schleimige, blaugrüne bis schwarze Matten, oft erdig riechend, die du in Fetzen abziehen kannst. Sofort: Matten absaugen, 50–70 Prozent wechseln; bei flächigem Befall 5–7 Tage komplett verdunkeln, danach an zwei Tagen je 90 Prozent wechseln. Die Dauerlösung ist wachsende Pflanzen plus Bakterienkonkurrenz — nicht das Grünalgenmittel und nicht der Algenfresser.
Diagnose
Zieh. Blaualgen kommen als Haut. Der Belag ist schmierig, sitzt locker auf Sand, Stein, Blatt und Filterkante und lässt sich in Fetzen abheben — nicht aufwickeln, nicht als Staub wischen. Farbe: dunkelgrün, blaugrün, schwarz, selten rotviolett. Unter Licht oft kleine Sauerstoffbläschen in der Matte. Der Geruch ist der zweite Test: erdig, faulig, nach stehendem Wasser. Garnelenhaus: nach starkem Befall bleibt er an den Händen, auch nach Seife.
Im Süßwasseraquarium sind das fast immer fädige Cyanobakterien der Gattungen Oscillatoria (Schwingalgen), Phormidium und Lyngbya (aquamax). Ein dünner Saum an der Kante Bodengrund/Frontscheibe ist laut Aquasabi und Garnelenhaus normal — kein Grund zur Panik. Eine Matte, die Pflanzen erstickt, ist es nicht.
- Schleimige Matte, in Häuten abziehbar, oft Geruch: Blaualgen. Andere Biologie als echte Algen.
- Lange, weiche, grüne Fäden, aufwickelbar: Fadenalgen.
- Kurz, hart, 2–10 mm, fest an Kanten: Pinselalgen.
- Brauner Staub, wischbar: Kieselalgen.
Otocinclus, Rennschnecken und Amanogarnelen weiden das nicht. Wer „Algenfresser“ kauft, hat Bakterien mit Algen verwechselt — und setzt den Otocinclus oft genau dann ein, wenn das Becken noch unreif ist.
Ursache
Cyanobakterien haben keinen Zellkern. Sie betreiben trotzdem Photosynthese — deshalb der Name „Alge“, deshalb die Verwechslung, deshalb wirken viele Grünalgenmittel nicht. Sie sitzen im Biofilm. Massenvermehrung heißt: die Konkurrenz (andere Bakterien, höhere Pflanzen) hat das Rennen verloren.
Aquasabi, Garnelenhaus und aquamax beschreiben dasselbe Muster, ohne eine einzige Zahl als Allheilmittel:
- Nährstoffschieflage: oft Phosphat hoch, Nitrat gleichzeitig knapp. Aquasabi nennt hohe PO4-Werte, teilweise plus Nitratmangel, als Auslöser. NO3 dauerhaft 0 mg/l in einem bepflanzten Becken ist Mangel, nicht Reinheit — siehe NO3.
- Schwache Mikroflora: Einfahrphase, Filter frisch ausgespült, Medikament danach. Dann fehlt die bakterielle Konkurrenz. Ablauf: Nitritpeak.
- Organik in Totzonen: Mulm, Futter nach 2 Minuten, gammelnder Boden, keine Strömung in Ecken. Cyanos stehen auf stilles, warmes Wasser.
- Pflanzen, die nicht nachtreiben: langsame Großblattpflanzen ohne Stängel ersetzen keine Konkurrenz. aquamax: wer wenige Schnellwüchsige hat und dann „gegen Blaualgen düngt“, bekommt mehr Matte, nicht weniger.
Stickstofffixierung aus der Luft wird oft als Erklärung für NO3 = 0 mg/l angeboten. aquamax hält sie unter normalen Beckenbedingungen für unwahrscheinlich (energieaufwendig, meist anaerob). Fest steht nur das Extremum: entweder Pflanzenhunger oder Organikplus — oft beides, selten „die Werte sind alle grün“.
Zielwerte für ein CO2-gedüngtes Pflanzenbecken (Aquasabi): CO2 20–30 mg/l, NO3 10–25 mg/l, K 5–10 mg/l, PO4 0,1–1 mg/l. Ein Gesellschaftsbecken ohne Flasche braucht diese 20–30 mg/l nicht als Pflichtkauf. Es braucht weniger Licht, Stängel, die wachsen, und Wechsel alle 7 bis 14 Tage 30 Prozent — siehe Wasserwechsel.
Sofortmaßnahme
Absaugen, nicht verreiben. Die Matte sitzt locker; der Schlauch holt sie, die Scheibenbürste verteilt sie. Befallene, erstickte Blätter weg. 50–70 Prozent wechseln, Mulm mit. Filtermedien in Beckenwasser ausdrücken — nicht unter dem Hahn sterilisieren.
Einzelne Nester: Licht auf 6 Stunden, Fütterung drei Tage auf das, was in 2 Minuten weg ist, Strömung in die Ecke legen. Liegt die Matte flächig, kommt die Dunkelkur — das ist der Unterschied zu Faden- und Pinselalgen. Cyanobakterien brauchen Licht für die Photosynthese dringender als höhere Pflanzen. Protokoll aus Garnelenhaus, aquamax und Aquarium-Ratgeber, zusammengezogen:
- Zu Beginn 50–70 Prozent wechseln, sichtbare Matten absaugen. CO2 aus. Ausströmerstein an — Pflanzen stehen still, Fische brauchen Sauerstoff.
- 5–7 Tage lichtdicht: Pappe oder Decke, kein Spalt, keine Zimmersonne. Nicht füttern (Jungfische ausgenommen, dann nur kurz und sparsam).
- Am 3. Tag 50 Prozent wechseln, im Dunkeln, Fische nicht mitnehmen.
- Tag 6 oder 7: Licht an. Dann an zwei aufeinanderfolgenden Tagen je 90 Prozent wechseln. aquamax: wer Punkt 8 streicht, hat die Kur meist umsonst gemacht — die abgestorbene Biomasse bleibt Futter.
Manche Cyanobakterien bilden Toxine. Im Aquarium ist der häufigere Schaden der Sauerstoffeinbruch, wenn viel Matte auf einmal stirbt — deshalb der Ausströmer und die großen Wechsel danach. Hände waschen. Nicht an offene Haut, nicht ins Auge.
Produkte nur hier, nur lokal: verdünntes Wasserstoffperoxid (Apotheke, 3 Prozent) auf einzelne Nester, Filter kurz aus, Tiere im Blick. Spezielle Cyanobakterien-Mittel treffen Bakterien, nicht Grünalgen; eine Tankkur mit gewöhnlichem Algenmittel trifft oft Schnecken und den Filter. Antibiotika gehören nicht ins Gesellschaftsbecken: sie holen auch die Nitrifikanten. Danach steht Nitrit, nicht Klarheit.
Dauerlösung
Pflanzen, die sichtbar nachtreiben. Hornkraut, Wasserpest, Wasserfreund — Nährstoffkonkurrenten, kein Dekor. Licht, das zur Masse passt: nach der Kur mit 6 Stunden starten, nicht mit 12. Wechsel als Rhythmus. Futter, das den Boden nicht düngt. Strömung, die keine Ecke stehen lässt.
NO3 im Alltagsbereich 5–20 mg/l halten, in einem CO2-Pflanzenbecken 10–25 mg/l. Wer nach der Dunkelkur wieder auf 0 mg/l NO3 fährt, hat die Matte nachbestellt. In Pflanzenbecken beschreibt Aquasabi zusätzlich eine Kalium-Spitze: K etwa 30 mg/l für eine Woche, NO3 um 20 mg/l, danach großer Wechsel — das ist Wuchs, keine Flasche gegen Bakterien.
Wer nach zwei Wochen wieder eine Haut auf dem Sand hat, hat entweder die 90-Prozent-Wechsel nach der Kur gestrichen, die Totzone gelassen oder die Pflanzen nicht wachsen lassen. Posthornschnecken putzen Reste, nicht Cyanobakterien. Das Mittel ohne Ursache ist die zweite Matte.
Absaugen, verdunkeln, danach große Wechsel. Ein Grünalgenmittel trifft Cyanobakterien nicht zuverlässig.
Quellen
- Aquasabi-Wiki — Blaualgen (Cyanobakterien, Oscillatoria; NO3 10–25 mg/l, PO4 0,1–1 mg/l, Dunkelkur, Kalium 30 mg/l)
- Garnelenhaus-Wiki — Blaualgen (Geruch, Dunkelkur 5–7 Tage, zweimal 90 Prozent danach)
- aquamax — Blaualgen/Cyanobacteria (Oscillatoria, Phormidium, Lyngbya; Dunkelkur-Fahrplan, Punkt 8)
- Aquarium-Ratgeber — Blaualgen (einwöchige Dunkelkur, CO2 aus, Ausströmer)
Pflegezahlen aus den genannten Archiven, Stand Recherche 2026. Keine eigenen Messprotokolle. Illustration als Illustration gekennzeichnet.