Fadenalgen sind grüne Fäden, die du mit Stab oder Finger aufwickeln kannst — oft 10–30 cm lang, glitschig oder wattig. Ursache ist fast immer zu viel Licht für die vorhandene Pflanzenmasse, plus Futter- oder Nährstoffüberschuss. Sofort: abwickeln, Licht auf 6 Stunden, Fütterung auf das, was in 2 Minuten weg ist, 30 Prozent wechseln. Die Dauerlösung ist Pflanzenwachstum, nicht das Algenmittel.
Diagnose
Zieh an einem Büschel. Fadenalgen kommen als Fäden. Wickel sie auf einen rauen Holzstab, eine Flaschenbürste oder den Finger — das ist der Test, nicht das Foto im Forum.
- Lange, weiche, hellgrüne Fäden, oft 10–30 cm: typische Fadenalgen (u. a. Spirogyra, Oedogonium). Glitschig oder watteartig. Haften locker, treiben in der Strömung.
- Dunkelgrüne, drahtige Büschel, reißen nicht sauber: oft Cladophora. Eingeschleppt mit Pflanzen oder Mooskugeln, zäher als die weichen Fäden. Dieselbe Pflegekette, nur langsamer.
- Brauner Staub, wischbar: Kieselalgen, nicht Faden.
- Kurze, harte Büschel an Kanten: Pinselalgen. Nicht aufwickelbar.
- Schleimige blaugrüne Matten, oft erdig riechend: Blaualgen (Cyanobakterien). Andere Biologie, andere Maßnahme.
Garnelio-Faustregel: Faden in Spiritus legen — bleibt er grün, ist es eine Grünalge. Bartalgen verfärben sich anders. Im Alltag reicht der Aufwickeltest.
Ursache
Lichtenergie trifft auf Nährstoffe, und die höheren Pflanzen verbrauchen sie nicht schnell genug. Aquasabi und die deutschsprachigen Aquascaping-Archive beschreiben dasselbe Muster:
- Beleuchtung über 10 Stunden bei mittlerer bis starker LED, oder direkte Sonne aufs Glas — schon eine Stunde Mittagssonne reicht.
- Einfahrphase: Licht schon auf Endstufe, Pflanzenmasse noch dünn. Start mit 6 Stunden, plus etwa 30 Minuten pro Woche, Ziel 8–10 Stunden (mittel/stark) oder 10–12 Stunden (schwach).
- Futter, das nach 2 Minuten noch liegt; Mulm; seltenes Wechseln. Nitrat dauerhaft über 30 mg/l bei schwachem Wuchs — siehe NO3.
- Im dichten Pflanzenbecken auch die Gegenrichtung: NO3 unter 5–10 mg/l oder CO2 unter 15 mg/l bei viel Licht. Dann stocken die Pflanzen, und die Alge nutzt die Lücke. Zielwerte für ein CO2-gedüngtes Becken (Aquasabi): NO3 10–25 mg/l, PO4 0,1–1 mg/l, CO2 20–30 mg/l.
Ein Gesellschaftsbecken ohne CO2-Anlage braucht diese 20–30 mg/l nicht. Es braucht weniger Licht und Pflanzen, die trotzdem wachsen. Wer LED verdoppelt und Dünger verdoppelt, ohne dass Stängel nachkommen, hat Fadenalgen bestellt.
Sofortmaßnahme
Abwickeln, nicht reiben bis die Blätter reißen. Fäden beim Wechsel mit dem Schlauch absaugen. Licht auf 6 Stunden, Zeitschaltuhr, keine Sonne aufs Becken. Fütterung drei Tage auf das, was in 2 Minuten weg ist. 30 Prozent wechseln — in einem dicht besetzten oder stark gedüngten Becken am nächsten Tag nochmals 30 Prozent. Mulm absaugen.
Schnellwachsende Stängel: Hornkraut, Wasserpest, Wasserfreund. Sie sind Nährstoffkonkurrenten, kein Dekor. Amanogarnelen fressen weiche Fäden, sobald Nitrit 0 mg/l ist — sie ersetzen die Lichtkürzung nicht. Platy und Molly knabbern mit, wenn der Besatz zum Liter passt; der Besatzrechner zuerst.
Produkte gehören nur hierher, und nur lokal: Flüssigkohlenstoff oder verdünntes Wasserstoffperoxid auf einzelne Büschel, Filter kurz aus, Tiere im Blick. Eine Dunkelkur über 3 Tage (lichtdicht, Filter läuft, kaum füttern) ist die grobe Variante, wenn das Becken schon vollhängt. Eine Tankkur mit Algenmittel ist die letzte Idee: sie trifft oft Schnecken, Filterbiologie und zarte Pflanzen.
Dauerlösung
Pflanzen, die sichtbar nachtreiben. Licht, das zur Masse passt: 8–10 Stunden bei mittlerer bis starker Beleuchtung, nicht 12. Wechsel alle 7 bis 14 Tage 30 Prozent — siehe Wasserwechsel. Futter, das nicht den Boden düngt. Eisenvolldünger in der Einfahrphase eher ein Drittel der Flaschenangabe, nicht die volle Kappe „damit es schneller geht“.
Wer nach vier Wochen immer noch Fäden hat, hat entweder die Stunden nicht gekürzt, die Sonne nicht ausgesperrt oder die Pflanzen nicht wachsen lassen. Cladophora, die sich nicht aufwickeln lässt, braucht Geduld und oft das Entfernen der befallenen Moos- oder Dekostücke — nicht eine zweite Flasche. Rennschnecken weiden Belag, nicht 30-cm-Fäden.
Licht kürzen, Futter in zwei Minuten, 30 Prozent wechseln. Das Mittel kommt zuletzt, weil es die Ursache nicht trägt.
Quellen
- Aquasabi-Wiki — Fadenalgen (Licht 6 → 8–10 h, NO3 10–25 mg/l, CO2 20–30 mg/l, Aufwickeln)
- Aquarium-Guide — Algen (Cladophora, Oedogonium, Pithophora; Wechsel 25–50 %)
- Aquarium-Ratgeber — Fadenalgen (6 Stunden Einfahrphase, Hornkraut)
Haltungs- und Pflegezahlen aus den genannten Archiven, Stand Recherche 2026. Keine eigenen Messprotokolle. Illustration als Illustration gekennzeichnet.