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Ammonium und Ammoniak: die Zahl ohne pH lügt

Ammonium/Ammoniak (NH4/NH3) soll im eingefahrenen Becken dauerhaft 0 mg/l sein — unter der Nachweisgrenze des Tröpfchentests. Der Test misst die Summe. Giftig ist NH3. Sera: ab 0,02 mg/l NH3 langfristig Kiemenschäden, 0,2 mg/l gefährlich, 0,5 mg/l akute Erstickung. Dieselbe 0,5 mg/l Gesamtammonium ergibt bei pH 7,0 nur 0,003 mg/l NH3 — und bei pH 8,0 schon 0,03 mg/l. Ohne pH ist die Farbe auf dem Test keine Diagnose.

Diagnose

Fische an der Fläche, Kiemendeckel weit, rote Kiemen, Futterverweigerung, plötzliche Tote: zuerst NH4/NH3, NO2 und pH messen, nicht raten. Die Geste sieht nach Sauerstoff aus — oft ist es Gift im Blut. Siehe Luftschnappen. Labyrinthfische (Kampffisch, Zwergfadenfisch) atmen dort normal; alle anderen Arten gleichzeitig oben sind Alarm.

Der Tröpfchentest zeigt Gesamtammonium, nicht „den Giftwert“. Hanna zitiert die alte Fischgewässer-Richtlinie 78/659/EWG: 0,025 mg/l NH3 als Obergrenze. Das erzwingt die zweite Messung. pH ohne KH ist ein Schnappschuss — pH —, aber für NH3 reicht pH plus Temperatur, um die Tabelle zu lesen.

Ursache

Eiweiß wird zu Ammonium/Ammoniak. Nitrosomonas oxidiert das zu Nitrit, andere Nitrifizierer zu Nitrat. NH4/NH3 ist der Anfang der Kette, NO2 die Mitte, NO3 das Ende. Steht der Anfang, fehlt die erste Bakterienstufe — oder die Last ist größer als die Fläche im Filter.

Diskus und Neonsalmler vertragen denselben NH3-Anteil schlechter als ein Guppyschwarm. Weiches Wasser senkt den NH3-Anteil — es hebt die Empfindlichkeit nicht auf.

Die Tabelle, die der Test nicht mitliefert

Sera-Beipack (NH3 in mg/l bei gemessenem Gesamtammonium). Die Werte gelten für übliche Beckentemperatur um 25 °C; wärmer verschiebt nach oben.

pH 8,5 ist kein Laborunfall. Hartes Leitungswasser plus Guppy oder Molly liegt oft zwischen 7,5 und 8,2. Deshalb misst du pH in derselben Stunde, nicht „irgendwann diese Woche“.

Sofortmaßnahme

  1. 30 bis 50 Prozent wechseln, Frischwasser ±1 °C, aufbereitet. Über 1 mg/l Gesamtammonium und pH über 7,5: eher 50 Prozent, nach 12 Stunden nochmals 30, bis der Test 0 zeigt. Nicht 100 Prozent auf einmal — Härte und Temperatur kippen, die Kiemen zahlen zweimal. Wasserwechsel.
  2. Fütterung auf null, extra Bewegung an der Fläche. Kein Sauerstoffmittel aus der Flasche als Erstes.
  3. pH nicht anheben. pH-Plus bei nachweisbarem Ammonium macht aus NH4 NH3. Senken mit einer Flasche „pH minus“ ist der zweite Fehler: KH fällt, der Wert schwankt über Nacht.
  4. Filter nicht unter dem Hahn sterilisieren. Ein Medium in Beckenwasser ausdrücken, wenn er steht — nicht alle, nicht heiß.

Ammoniumbinder und Zeolith fangen die Zahl, nicht die Ursache. Als Brücke bis der nächste Wechsel sitzt, ja. Als Pflege, nein. Flaschenbakterien sind Impfung, kein Kalenderersatz — dieselbe Regel wie beim Einfahren.

Dauerlösung

Filter, der die Last trägt. Besatz, der zum Liter passt. Futter, das in 2 Minuten weg ist. Wechsel alle 7 bis 14 Tage 30 Prozent. Pflanzen, die wachsen, holen NH4+ mit — sie ersetzen den Filter nicht, sie machen den Peak flacher.

Nach einem Unfall eine Woche täglich NH4 und NO2 messen. Steigt danach NO3 und bleibt NH4 0, sitzt die Kette. Bleibt NH4 stehen, ist der Filter noch tot oder die Last zu hoch. Dann nicht nachsetzen.

NO2 hat die eigene Seite, NO3 auch. NH4/NH3 ist der Schritt davor, den der Test oft zuerst rot färbt. Deshalb stehen 0 mg/l, 0,02 mg/l NH3 und die pH-Paare in den ersten Sätzen — nicht nach der Chemievorlesung.

Quellen

Zahlen aus den genannten Archiven und Beipacktexten, Stand Recherche 2026. Keine eigenen Messprotokolle. Der Test ohne pH ersetzt die Tabelle nicht.